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Participatory Learning and Action [PLA]

Participatory Learning and Action“ (PLA) ist eine Form der Aktionsforschung. Sie ist eine praxisorientierte adaptive Forschungsstrategie, die es diversen Gruppen und Individuen ermöglicht, gemeinsam, in einer kooperativen Art und Weise, zu lernen, zu arbeiten und zu handeln, um sich auf Aspekte des gemeinsamen Interesses zu konzentrieren, Herausforderungen zu identifizieren und positive Rückmeldungen, in einer gemeinschaftlichen und demokratischen Art und Weise, zu generieren.

PLA ist von hoher Relevanz im Feld der Implementierungswissenschaften, weil sie eine pragmatische multiperspektivische Forschungsmethode darstellt. Das bedeutet, dass sie sich dafür eignet, praktische Probleme anzusprechen, sich auf Lösungen ebendieser zu konzentrieren und Fragen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Die iterative und organische Struktur von PLA fördert diverse AkteurInnen an Forschungszirkeln, Co-Analysen, Reflektionen und Evaluationen - im Laufe der Zeit - teilzunehmen. Dieser Prozess ermöglicht es ihnen ihr Ziele (für die Praxis/für ihre Politik) zu erreichen. Er wird oft durch ForscherInnen/UnterstützerInnen ermöglicht, da sie relevante AkteurInnen dazu anregen sich an einem PLA-basierten Dialog zu beteiligen. In diesem Dialog werden die relevanten Gruppen dazu aufgefordert, einander zuzuhören und von dem jeweiligen Wissen/der jeweiligen Sichtweise des/der anderen zu lernen. Vertrauen, ein harmonisches Verhältnis und beiderseitiger Respekt sind die essentiellen Faktoren eines PLA-Dialoges und können, sofern vorhanden, zu einem produktiven Austausch führen, wodurch das jeweilige Wissen und die Expertise des/der anderen konkretisiert und gewürdigt wird. Wegen ihrer Verankerung in der Inklusion ist PLA speziell für die Kontaktaufnahme mit schwer erreichbaren Gruppen (z.B. NutzerInnen der unterschiedlichen Migrationsdienstleistungen) und die Ansprache von transkulturellen Fragen geeignet, wobei beide Punkte in RESTORE von hoher Relevanz sind.

In unserer Feldarbeit bei RESTORE, welche in fünf unterschiedlichen Ländern stattfinden wird, werden wir unseren Fokus auf relevante AkteurInnen legen, z.B.: MigrantInnen, welche die Gesundheitsversorgung nützen; GesundheitsdienstleisterInnen; politische EntscheidungsträgerInnen; DolmetscherInnen und/oder kulturelle MediatorInnen. Wir werden diesen Gruppen die Möglichkeit geben, jene Leitlinien und/oder Trainingsinitiativen zu überprüfen, welche die Kommunikation in transkulturellen medizinischen Konsultationen unterstützen sollen. Diese AkteurInnen werden untersuchen können, welche Initiativen für sie von Wichtigkeit sind und ermutigt werden eine dieser in ihrem persönlichem Umfeld zu implementieren.

Die PLA-Feldarbeit über Implementierungen ist die Verknüpfung zur „Normalisation Process Theory“, die eine soziale Theorie beschreibt, welche uns vier Konstruktionen zur Verfügung stellt, die uns auf wichtige Aspekte der Implementierungsarbeit hinweisen. In RESTORE werden wir die Sichtweisen und Erfahrungen relevanter AkteurInnen, auf und mit diesen Konstruktionen, untersuchen. Aber wir wollen noch viel mehr tun: Wir möchten herausfinden, ob wir diese relevanten AkteurInnen darin unterstützen können, mögliche Probleme und/oder Barrieren, die während ihres Implementierungsprozesses auftauchen könnten, zu überwinden. An diesem Punkt startet der PLA-Dialog. RESTORE-ForscherInnen, welche alle in die Methoden, Zugänge und Techniken der PLA trainiert sein werden, können diese Fertigkeiten nutzen, um relevante AkteurInnen dahingehend zu unterstützen, einen respektvollen Umgang miteinander (im Reden, als auch im Zuhören) zu finden, um ihre Erfahrungen mit der NPT-Konstruktion – „coherence“, „cognitive participation“, „collective action“ und „reflexive monitoring“ – zu teilen. RESTORE-ForscherInnen werden PLA-Techniken ebenfalls dazu nutzen, das kreative Denken zur Identifizierung von Lösungen auftauchender Probleme und Barrieren zu fördern. Ein Beispiel: Wenn eine Gruppe relevanter AkteurInnen eine Initiative gewählt haben, welche sie implementieren möchten und sich dazu entschlossen haben, diese in der Praxis auszuprobieren, werden sie vielleicht, durch ihren Dialog, feststellen, dass es hierbei Probleme mit der gegenwärtigen Implementierung der Initiative in der tägliche Routine gibt; vielleicht herrscht Unsicherheit darüber, wie NutzerInnen der unterschiedlichen Migrationsdienstleistungen und AllgemeinmedizinerInnen, in einer drei-Wege-Konsultation (mit DolmetscherInnen) miteinander kommunizieren sollen? Sollen sie miteinander reden oder ihre Konversation nur durch den/die DolmetscherIn beschreiten lassen? Wenn MigrantInnen und AllgemeinmedizinerInnen dies gemeinsam diskutieren und den direkten Input von dem/der DolmetscherIn bekommen, erfahren sie unmittelbar, dass es für das Dolmetschen von Konsultationen Empfehlungen gibt, welche klar vorgeben, dass, z.B., AllgemeinärztInnen und MigrantInnen dazu angehalten werden, einander direkt anzusprechen. Die Adaptierung dieser Empfehlungen kann somit die Unsicherheit reduzieren und einen positiven Effekt auf den Implementierungsprozess haben.

Auf diesem Weg wird sowohl die Methode der PLA, als auch die der Gesellschaftstheorie NPT, in einer integrativen Art und Weise in RESTORE genutzt, um den Dialog, rund um die einzelnen NPT-Konstruktionen, entsprechend einer Zusammenarbeit aller relevanten AkteurInnen, zu fördern, damit diese sich gegenseitig über ihre Denk- und Handelsweisen, innerhalb der Implementierungsarbeit, informieren können.

 

PLA Literatur:

Chambers, R. (1997) Whose Reality Counts? Putting the first last, London: Intermediate Technology Development Group Publishing.

Holland, J. with J. Blackburn, (eds) (1998) Whose Voice?: Participatory Research and Policy Change, London: Intermediate Technology Publications.

Kane, E. and O’Reilly-de Brún, M. (2001). Doing Your Own Research. London: Boyars.

O'Reilly-de Brún, M., & de Brún, T. (2010). The use of Participatory Learning & Action (PLA) research in intercultural health: Some examples and some questions. Translocations: Migration and Social Change, 6, 1.

O’Reilly-de Brún, M., Delaney, S., Gilligan, A.L., & Bailey, N. (2002). Hear our voices… meet our needs – Women and health. Dublin: National Women’s Council of Ireland (einer von sechs Reports des NWCI Millennium Projekts).

Sweetser, A. Improving the Practice. The International Association for Public Participation, August, 1997.